Lehrkonzept
«Sehen, was man sieht» Le Corbusier
Die Vorlesungen und Seminare zum Städtebau basieren auf der Phänomenologie, den Beobachtungen zur Erscheinungsweise des gebauten Ortes. Mein Grundanliegen ist es, zusammen mit den Studierenden eine Sehschule zu pflegen, die auf ein präzises Erkennen, Bezeichnen und Vergleichen des Wahrgenommenen hinarbeitet. Das Sehen verläuft selten geradlinig, es entwickelt sich in assoziativen Sprüngen. Das vermeintlich Bekannte, Überschaubare zeigt beim genauen Hinsehen «Ecken und Kanten», die der am Alltäglichen abgestumpfte Blick nicht mehr wahrnimmt. Wir versuchen diese Phänomene aus dem Erinnerungsschatz der im Gedächtnis gespeicherten Muster zu erklären, zu ordnen, mit schon Gesehenem, Erfahrenem zu vergleichen. Wir entwickeln damit eine Sehweise, die vieles Kleines erkennt und daraus das Grosse in itterativen Schritten begreift.
In einer zweiten Annäherung wird nach der Bedeutung des Gesehenen gefragt. Wir erklären das Vorgefundene nach vertrauten Mustern der europäischen Baugeschichte und machen uns mit örtlichen wie zeitgeschichtlichen Variationen der Auslegung vertraut. Diese Erhellung der Bedeutungsgeschichte bedingt eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Aneignung, sei dies die alltägliche nach dem Regelwerk einer spezifischen Gemeinschaft oder die rituelle Aneignung nach den Mustern der sakralen wie der weltlichen Machtausübung.
Die ganze Auseinandersetzung ist keine «l’art pour l’art», sondern die Voraussetzung, die untersuchten Elemente und Gegebenheiten des Ortes in einem Entwurf interpretieren zu können.
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